
Der Ruhmattenschimmel
Zwischen Bollenbach und Steinach gibt es eine Wiese, die im Volksmund auch heute noch Ruhmatt heißt. In diesem Gebiet erschien früher, des öfteren nachts wenn der Vollmond am Himmel stand, ein fürchterliches weißgraues Wesen, das einem Schimmel ähnelte.
Dieser Ruhmattenschimmel erschien gelegentlich Leuten, die zwischen Bollenbach und Steinach unterwegs waren. Es wurde erzählt, dass denjenigen, denen dieses Wesen begegnete, in naher Zukunft etwas zugestoßen ist...


Die Maske
Die Maske zeigt das Gesicht eines grimmig dreinblickenden Pferdes mit langen Eckzähnen und einem Einhorn. Die Maske ist aus Holz geschnitzt; das Kopftuch an die Maske angenäht. Die Mähne, in das Kopftuch eingenäht, besteht aus echtem Pferdehaar.

Die Schuhe
Die Schuhe sind aus schwarzem Leder und mit einer Holzsohle versehen. Der Lärm beim Laufen erinnert an das Laufen eines Pferdes.

Der Glockengurt
Jacke und Hose sind zweiteilig und aus längerem Kunsthaar, welches das Wilde des Ruhmattenschimmel andeutet; das Ganze in grauer Ausführung, der Sage entsprechend.
Der Glockengurt ist aus schwarzem Leder und mit zwei großen und sechs kleinen Glocken jeweils links und rechts bestückt. Der Glockengurt symbolisiert das Saumzeug des richtigen Pferdes, dessen der Mensch schon seit Jahrtausenden habhaft ist. Die Glocken dienen in Verbindung mit den Schuhen zum Erschrecken.

Die Geisel
Die Peitsche besteht aus Lederbändeln, die in einem Griffstück befestigt sind. Sie dient zum Vertreiben aller Eindringlinge aus dem Revier des Ruhmattenschimmel.
Die Schippewälderin
Seit vielen Generationen erzählt man sich von ihr in den Dörfern rund um den Schippenwald:
Holzmacher und Jäger berichten in früheren Zeiten von eben jener wunderschönen Frauengestalt mit einem goldenen Spinnrädchen oben am Felsen über dem Schippenwald. Vor allem die alten aus den Dörfern ahnten den Rat, die Kinder nicht in den Bann der geheimnisvollen Wälderin geraten zu lassen.
Dass es sie wirklich gibt, davon wusste der Hirtenknabe Theodor Rauer zu berichten. Sogar der Tag und die Stunde ist überliefert, an dem ihm das rätselhafte Wesen erschienen ist: Am Pfingstmontag des Jahres 1838 um 10 Uhr morgens, so beschrieb es die Sage, fehlte ihm ein Stück Vieh aus seiner Herde, die er nahe dem Katzenstein hütete. Er glaubte, das Vieh könne vom Felsen gestürzt sein. Doch als er an die Stelle kam, sah er die Gestalt einer eigenartigen schönen Frau - nicht alt, nicht jung, die ihn anlächelte, aber kein Wort redete. Sie trug ein seltsames, rotes Kleid und auf dem flachsfarbenen, langen Haar ein lappiges Hütlein, wobei alles mit goldenen Borten eingefasst war. Die Erscheinung dauerte nur eine Minute - aber dann war sie verschwunden.
Manch einer berichtete noch von Zeit zu Zeit, ihren goldenen schein zu sehen, tief im Wald, oben am Berg im Schippengewann.
Zusammenfassung zweier Geschichten; Quelle: „SAGEN DES KINZIGTALS“ von Willi Keller


Die Maske
Die Maske zeigt ein hübsches, junges Mädchen mit einem freundlichen Gesicht und blonden Zöpfen. Der verschmitzte Blick soll die List in ihr wiederspiegeln mit der sie den Hirtenknaben ablenkte.
Einen "Schlapphut" mit Borten verziert und Andeutungen eines Schäppels drunter sollen die Tradition und die Tracht des Schwarzwaldes wiederspiegeln.

Der Mantel
Als Mantel oder Jacke nutzen wir hier einen Gehrock, dieser soll die Schönheit und Eleganz der Wälderi wiedergeben und passt so gut mit dem langen Rock zusammen. Im Gesamten Häs finden sich die Farben des Waldes, das Gold des Spinnrädchens und das Rot des Kleides wieder.

Der Rucksack
Da ein Spinnrad eher schwierig ist mit zu führen an der Fasent, lehnten wir uns an die früheren Uhrmacher an die im Schwarzwald mit ihren Kraxen unterwegs waren und mit Kuckusuhren beladen waren. So ist durchaus möglich dass die Schippewälderi auch mit einem Spinnrad durch den Schwarzwald zog und einen Rucksack bei sich trug, verziert mit einem Spinnrad, Spindel, Flachs und allem was sonst noch dazu gehört. Selbstverständlich in goldener Farbe getreu der Sage.

Rock
Da die Fasent nicht nur grau und rot ist wie bei unseren bisherigen Figuren wollte man in das Häs der Schippewälderi Farbe mit rein bringen und bunter werden. So hat der Rock, viele großformatige Spättle aufgenäht die zum einen traditionell daran erinnern sollen dass man für eine Verkleidung an der Fasent alles nehmen konnte, beispielsweise jegliche Stoffreste die man finden konnte. Zudem sollen sie auch den Straßenschmuck während der Fasent erinnern.
Der Narrenpolizist
Bereits an der Fasend in den 50er Jahren war der Narrenpolizist präsent und stets im Dorf zu sehen. Der Narrenpolizist in Bollenbach sorgte damals wie heute für die Ordnung unter den Narren und während der Umzüge. Er führt diese stets an und macht mit seiner Glocke auf die herannahenden Narren aufmerksam. Auch beim „Narresume“ ist der Polizist schon immer angesehen und beliebt mit dem nötigen Respekt. So führt der Polizist früher wie heute den Narresume bei den Kinderumzügen oder dem Kindergartenstürmen an.
Die Einzelfigur des Narrenpolizisten zeigt einen grimmig dreinschauenden Polizisten wie man ihn aus den früheren Jahrhunderten kennt. Sein „Großkopf“ mit Schnurrbart und Polizistenhelm ist noch das Originalrelikt aus der frühen Bollenbacher Fasend, lange vor dem Narrenverein. Dazu trägt er eine „Schelle“, um auf sich und die Narren aufmerksam zu machen. In den vorherigen Jahrhunderten überbrachte der „Dorfpolizist“ oder „Dorfbott“ so lautstark die neusten Nachrichten im Dorf, bevor es Zeitungen oder ähnliches gab. Seine Uniform besteht aus einem langen dunkelblauen Mantel wie bei der Polizeiuniform oder der Armee früher üblich. Dazu ein langer Säbel als Waffe.



2023 verpassten wir dem Polizisten eine neue Uniform angelehnt an die ursprüngliche samt Hose, Gilet und Mütze. Die Mütze als Schlecht Wetter Ersatz da der Großkopf aus Pappmaschee gefertigt ist. Die neue Uniform wurde fällig bevor der Lauf der Zeit die originale Uniform vollends zerrfrisst.
Der Narrenpolizist ist neben dem „Bur“ (Bauer), auch eine Großkopfige Narrenfigur, die älteste Narrenfigur der Bollenbacher Fasend. Leider ist der „Bur“ seit Jahrzehnten verschollen und nicht mehr auffindbar.
Die Schimmelmusik
Unsere Schimmelmusik, ein fester Bestandteil und nicht mehr wegzudenken aus der Bollenbacher Fasend.
Seit 1994 eine Untergruppe des Narrenvereins. Aktuell ca. 10 Hobbymusiker unter der Leitung von Alessandro Amato.
Unsere Schimmelmusik bereichert unsere Dorffasend mit verschiedenen Auftritten beim Hufbeschlagen, Schnurren, Kinderfasend und vielem mehr. An ausgewählten Umzügen sind die Musiker auch außerhalb der Ortsgrenzen zu sehen.
Mitte der 90er Jahre schlossen sich ein paar Ruhmattenschimmel zu einer „Guggemusik“ zusammen und spielten einfach mal drauf los. Schnell fand dies großer Gefallen im Dorf und so übernahm 1997 Joachim Gail die Leitung der Musik. Regelmäßige Proben, neue Lieder, Unternehmungen und Auftritte waren nun ein fester Bestandteil der Musik im Narrenverein. Ein Höhepunkt war das Narrentreffen 2003 an dem die Schimmelmusik erstmalig im eigenen Häs zu sehen war und den Jubiläumsumzug anführte.
2009 übernahm dann Heike Amato den Taktstock und leitete fortan die Musik, die inzwischen in neuem Gewand anzutreffen war. 2014 folgte das nächste Narrentreffen in Bollenbach, bei dem die Musik natürlich wieder mit vorne dabei war.
Unsere nun schon Tradition gewordene Nacht der Schimmel ist der jährliche Höhepunkt für unsere Musiker. Nach dem kleinen Nachtumzug eröffnen sie seit je her das Programm im Dorfgemeinschaftshaus.



Seit 2022 leitet inzwischen Alessandro Amato die Schimmelmusik die hauptsächlich aus Hobbymusikern besteht.
Hast auch du Lust ein Teil unserer Schimmelmusik zu werden und die Zukunft dieser einzigartig großartigen Gruppe zu sichern? Dann sprich uns direkt an und komm in eine Schnupperprobe. Wir freuen uns auf dich, du bist jederzeit herzlich willkommen!
Bei Fragen oder Interesse:
Manuel Kinnast
+49 (0) 170 9354387
oder
Alessandro Amato